Cambodia

Dienstag, den 28.02.2017

Die Sonne war schon lange untergegangen als sich der kleine weiße Van mit den Strandgeilen Touristen der Ortschaft näherte. Höchste Kriminalitätsrate in Kambodscha, unendlich viele weiße Strände, Inselketten in Sichtweite. Wir hatten uns geschrieben, wo und wie wir uns treffen. Welches Bett es ist, wenn man alle Treppen auf die Schlafterasse hochgelaufen ist und wie leise ich sein muss, um nicht aufzufallen. Die Vantür öffnete sich von Außen und der Fahrer stellte meinen Rucksack davor in den Sand. Drei Dollar dafür, dass er mich an mein Wunschziel gebracht hatte. Ausgelaugt von der Hauptstadt war ich vom einem Moment auf den Anderen lastlos.

Autobahnen in Kambodscha gibt es nicht, so wie wir es uns vorstellen, zweispuriger Schotter und Staubweg. Ständig lebensgefährliche Überholmanöver. Jeden Moment ist man fest davon überzeugt: Das Leben endet hier und irgendwann ist man einverstanden, denn die Fahrt scheint endlos zu sein. Zeit spielt hier keine Rolle. Probleme gibt es. Wie sie gelöst werden ist egal, sie werden einfach gelöst auch wenn man 15 Stunden fährt. Während der Fahrt hielten wir zwei Mal, alle mussten aus dem klimatisierten Gefährt aussteigen, im Schatten der türlosen Raststätte aus zusammengemörtelten Backsteinen sitzen und schwitzen bis der Fahrer seine Suppe mit undefinierbaren Fleischstücken fertig geschlürft hatte. Wenn du keine Freunde mit dir hast, sprichst du mit niemandem, du denkst nicht ein Mal. Die Wärme lähmt den Geist und die Dose des Softdrinks ist zu schnell leer oder schal.

Ich zog die Schlappen aus, lief vorsichtig durch den quietschenden Sand um dann die Treppen unter meinem Gewicht knarzen zu lassen, wie die meines Dachgeschosszimmers in der neuen Stadt. Unter den Stufen schliefen undefinierbare Hundemischlinge. Ohne Taschenlampe aber mit dem Mond der aufs Meer reflektierte folgte ich der Wegbeschreibung von vorhin. Das Meer rauschte und eine warme Briese gab mir das Gefühl endlich da zu sein, endlich gehalten werden zu können, endlich wieder jemanden zu kennen, ohne sich verstellen zu müssen. Wir fielen uns quietschend in die Arme, wie in der achten Klasse. Ich war wieder vollständig, konnte die Zeit genießen und die Seele baumeln lassen. Ihre Haut war schon wieder etwas bräuner, die feinen Härchen auf Armen ausgeblichen und golden. Sie hatte das Bett in dem wir heimlich zu zweit schliefen vom ganzen Sand befreit, das Moskitonetz mit Bedacht unter die Matratze gesteckt. Wir unterhielten uns noch eine Weile. Die Wellen wurden immer ruhiger und ich verbrachte die erholsamste Nacht in Kambodscha neben meiner Schwester unter klarem Sternenhimmel.

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