Dienstag, den 14.02.2017

 

Jedes Mal wenn ich bei dem kleinen libanesischen Laden bin, um mir mein Falafelsandwich ohne Zwiebeln zu kaufen, fällt mir auf wie sehr ich meine chaotische Heimat vermisse. Der Osten hat so eine Eigenart. Eine Freundlichkeit mit Distanz, eine Sauberkeit im Schmutz, einen starken Gewürzduft, als würde hinter jeder Tür eine alte Dame Leckereien für ihre vielen Nachkommen zaubern. Die Männer hinter der Theke lächeln nett, weil sie mich kennen. Wenn ich meine Bestellung bezahle, versuche ich meine Finger irgendwie zu krümmen, damit das Geld nicht in einer der Handflächen fällt aber meine Finger trotzdem keine Haut berühren. Mann und Frau dürfen sich in der Öffentlichkeit nicht berühren.

Genau so, wie ich es beigebracht bekommen habe. Ich erwische mich, wie ich an ihn denke, an den Mann, der mich entzückend findet, auf eine mir noch bisher unbekannte Art. Rosarote Brille, wird mir immer wieder gesagt, er trägt sie anscheinend. Er küsst mich in der Öffentlichkeit, so als wären keine Menschen um uns. Ich kann das nicht erwidern, nicht weil ich nicht will, sondern weil ich es als falsch dargestellt bekommen habe.

Ich packe die Sandwiches in den Stoffbeutel, drücke die schwere Glastür auf. Die Straßen sind laut, voller Autos, Hupen, Bremsen. Lassen die Motoren brummen. Nur eine Sache stört mich, die Abgase brennen nicht in den Augen, der Staub wirbelt nicht, und das Chaos lebt nicht länger als 20 Uhr.

 

*x

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