Ambivalenz

Dienstag, 13. Dezember 2016

Bis ich wirklich realisiert habe, wie kaputt unsere Generation ist, musste ich erst einmal aus einer langjährigen Beziehung ausbrechen. Irgendwie dachte ich zu dem Zeitpunkt, dass alle Liebe wollen.

„Wollen sie ja auch!“, könnte eingeworfen werden. Ja, irgendwo ganz verborgen schon, aber die „Ich-muss-auf-jemanden-potentiell-besseren-warten-Mentalität“ ist in meinen Augen nicht mehr auszuhalten. Und das sage ich nicht, weil ich frustriert bin und niemanden abbekomme.

Sondern eher, weil mir ein schöner Typ begegnet, der weiß, wie er meine Hüfte packen muss, damit ich irgendwie nicht mehr klar im Kopf bin, und trotzdem stellt sich pre- und postcommercium heraus, dass dieser Mann, nichts anbrennen lassen will, nach seinem Studium ins Ausland will, unbesiegbar sein möchte und doch emotional total offen ist, mir anschließend: „Aber Kleine, verlieb dich nicht in mich.“, ins Ohr flüstert.

TEMPLE OF LOVE

BAM! Dieser Satz, knockt meine Anziehung in ein Delirium. Der einzige Ort, an dem ich das Gefühl meiner Unreinheit (weil ich mit so einem Mann intim wurde) von mir beseitigen könnte wäre ein buddhistischer Tempel. Wieso sagt man so etwas? Emotionen wie „Liebe“, „Verliebtheit“, „Verbundenheit“ gehören ständig zu derartigen Kollisionen. Was gibt ihm das Gefühl, dass ich nicht reiche? Was hat ihm das Gefühl bei der vorherigen Dame gegeben, dass sie nicht reicht? Oder die nach mir?

Ich möchte nicht von Jetzt auf Gleich den Vater meiner Kinder finden, oder ähnliche Bezeichnungen für den „Mann-für-Immer“. Ich möchte wertgeschätzt werden. Klar bin ich eine zeitlich begrenzte Affäre, aber du bist es auch! Zu dem respektiere ich dich, sonst wärst du nicht an meine Schenkel gelangt. Nimm meinen Körper und meinen Geist als eines. Eine Verkörperung der Intimität zweier homo- oder heterogener Geschlechter.

Es soll kein Aufruf gegen unverbindlichen Sex sein, ganz im Gegenteil, habt Spaß, seid frei, aber gebt eurem Gegenüber nicht das Gefühl von hundertprozentiger Ersetzbarkeit.

*x

#safersex #tindergarten #ambivalenz #roughword

 

 

 

 

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Ein Gedanke zu “Ambivalenz

  1. Danke für diese wunderbaren Worte. Wunderbar weil extrem gut und passend formuliert und vor allem – der Appell, dass das herstellen von fitkiven Opferrollen ungefähr das unachtsamste ist, was man einem Menschen antun kann.

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